Gerade war ich in Deutschland zu Besuch.
Bei jedem Wechsel zwischen zwei Kulturen springen einem die Unterschiede besonders stark ins Auge.
In diesem Artikel geht um Dinge die mir als Deutscher besonders ins Auge stechen wenn ich nach drei Jahren in Panama zu Besuch nach Deutschland komme.
1) Die Menschen
Der erste große Unterschied sind die Menschen. Nach meinem ersten Jahr in Panama kam ich nach Deutschland um Freunde und Familie zu besuchen. Das erste was mich wirklich geschockt hat ist wie viele alte Menschen es in Deutschland gibt. Damit meine ich nicht nur Rentner am Vormittag in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Es fielen mir auch“alte Männer“ auf, die z.B als Müllmänner körperliche Arbeit verrichten und bei denen man sich denkt „wäre es nicht besser dass jemand jüngeres machen zu lassen„.
Besonders stark ist mir das Alter bei Vätern ins Auge gesprungen die mit ihren zwei bis drei Jahre alten Kindern auf dem Spielplatz waren. Die meisten der Väter hätte ich so auf die 40 Jahre geschätzt. Das Medien-Alter in Deutschland ist etwa 48 Jahre. Das heißt jeder zweite Deutsche ist jünger als 48 und die andere Hälfte ist älter. In Panama ist das Medienalter 30 Jahre. Das heißt es gibt satte 18 Jahre Unterschied und das fällt einem wirklich auf wenn man nach Deutschland zu Besuch kommt.
2) Lautstärke
Der zweite große Unterschied ist die Lautstärke. Panama ist ein lautes Land. Wenn ich nach Deutschland komme bin ich jedes Mal erstaunt wie ruhig es überall ist. Man wird nicht ständig von Taxis angehupt und Autofahrer hupen nicht genervt weil der Vorderste an der Ampel erst noch in Ruhe seine WhatsApp-Nachrichten checkt. Ganz besonders laut sind in Panama manche LKWs bei denen, wenn Sie die Motorbremse benutzen, man das Gefühl hat einem Platz das Trommelfell. Wenn solche Fahrzeuge einmal quer durch die Stadt fahren belästigen sie tausende, wenn nicht zehntausende, von Menschen und keinen stört es wirklich.
Zum Thema Lärm habe ich auch noch eine witzige Anektode. Als ich das erste Mal in Panama war habe ich für ein paar Tage in einer Airbnb-Unterkunft bei einer alleinerziehenden Mutter im Zentrum von Panama-Stadt statt übernachtet. Mein Zimmer war so laut, dass ich nachts kaum schlafen konnte. Jemand hatte hinter dem Haus eine Party und der Verkehr war fast die ganze Nacht sehr laut. Die 20-jährige Tochter erzählte mir, dass sie zu einem Schüleraustausch in Deutschland war. Als sie bei ihrer deutschen Gastfamilie in der Küche saß bemerkte sie wie ruhiges war. Sie hörte nichts. Absolute Stille. Und dann passierte es: zum ersten Mal in ihrem Leben hörte sie ihren Bauch Geräusche von sich geben.
Mittlerweile habe ich mich an die Lautstärke in Panama gewöhnt. Aber wenn ich zu Besuch nach Deutschland komme fällt es mir jedes Mal wieder extrem auf wie ruhig Deutschland ist.
3) Gesellschaftliche Themen
Der dritte und letzte Unterschied sind gesellschaftliche Themen. Bei meinem jetzigen Besuch fiel mir besonders auf wie stark der Unterschied zwischen Deutschland und Panama bei gesellschaftlichen Themen ist. Globale Themen wie der Krieg in der Ukraine, der Klimawandel oder Feminismus sind natürlich auch in Panama präsent.
Allerdings wird man meiner Meinung nach viel weniger aufdringlich im Alltag damit konfrontiert. Man könnte es mit einem Beben in Europa oder den USA vergleichen bei dem vom ausgelösten Tsunami nur die Ausläufer bis nach Panama kommen. Dieses Jahr fiel mir auf wie stark man in Deutschland auf allen Kanälen von früh bis abends beschallt wird um die einzelnen Themen zu pushen. Wenn man nur Deutschland kennt könnte man meinen, dass diese Themen auf der ganzen Welt ähnlich stark wahrgenommen werden. Es reicht bis in den Supermarkt wo viele Produkte dem aktuellen Trend nach beworben werden. Am erstaunlichsten fand ich es bei der Verpackung von Hundefutter.
Gesunde Ernährung wie Vollkorn und Fünfkornmüsli spielen in Panama keine nennenswerte Rolle. Veganer findet man in der normalen Bevölkerung praktisch nicht. Praktisch niemand interessiert sich für Ökoprodukte. Der Trend zum eFahrrad existiert nicht – nicht mal der zum normalen Fahrrad. Man sieht höchstens ein paar eRoller.
Über deutsche Medien und die Familie bekomme ich noch mit welche Themen gerade aktuell sind. Wenn ich dann nach Deutschland zu Besuch komme bin ich aber erstaunt wie stark die konkreten Auswirkungen davon wirklich sind. Vor drei Jahren haben meine Eltern Solarzellen auf dem Dach installiert und ein eAuto gekauft. Vor zwei Jahren kamem die eFahrräder dazu. Gerade habe ich einen Kumpel geholfen ein Balkonmodul zu installieren. Zwei Freunde haben einen Tesla in der Garage. Als nächstes werden Wärmepumpen in den Medien gepusht.
Wahrscheinlich fehlt den Menschen in Panama schlicht und einfach das Geld um an diesen Themen teilzuhaben. Nur weniger haben das Geld für teure Lebensmittel oder eAutos. Das globale Trendthema das in Panama meiner Meinung nach am stärksten vertreten ist ist LGBT. Dafür gibt es eine kleine Community die man manchmal sieht. Die Mehrheit der Panameños steht dem aber eher skeptisch gegenüber.
Fazit
Das waren meine drei Beispiele wie mich der umgekehrte Kulturschock in Deutschland getroffen hat. Nach drei Jahren in Panama nehme ich Deutschland anders wahr. Gerade bei den gesellschaftlichen Themen hatte ich dieses Jahr zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass ich mich langsam aber sicher immer weiter von Deutschland entferne. Ich komme mir vor wie jemand der die Entwicklungen von außen interessiert betrachtet ohne Teil davon zu sein. Eigentlich ist das ganz angenehm. Ich bin schon gespannt was man im nächsten Jahr haben oder machen muss.
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