Wenn man lange genug in einem anderen Land lebt, gewöhnt man sich an vieles.
Man übernimmt Verhaltensweisen, hinterfragt bestimmte Dinge nicht mehr und vergisst manchmal sogar, dass es anderswo ganz selbstverständlich anders läuft.
Bei unserem aktuellen Besuch in Deutschland hat meine Partnerin mich daran erinnert, wie unterschiedlich unsere beiden Alltagswelten tatsächlich sind.
Was mir selbst bei früheren Besuchen aufgefallen ist, habe ich in meinem Video Umgekehrter Kulturschock beschrieben.
Warum man in Panama Reisepläne lieber für sich behält
In Panama spricht man nicht über anstehende Reisen oder andere positive Dinge und Pläne, die noch weit weg sind.
„Viele sind vielleicht noch nie gereist und das löst Neid und mala vibra aus.“
Man versucht es bis kurz vor der Reise nicht zu erwähnen, um „schlechte Schwingungen“ zu vermeiden.
Dies trifft auch auf andere Dinge zu.
Zum Beispiel bekommt jemand auf der Arbeit einen Geschäftswagen versprochen.
Derjenige ist stolz und erzählt seinen Kollegen und seiner Familie davon.
Am Ende wird der zugesagte Dienstwagen doch nicht genehmigt.
Auch innerhalb der Familie kann Neid eine Rolle spielen.
Brigitte kennt Geschichten, in denen Menschen vermuten, dass andere ihnen etwas nicht gönnen und ihre Pläne deshalb durchkreuzen könnten.
War es Zufall, dass es mit dem Dienstwagen nicht geklappt hat, oder hat jemand Einfluss genommen?
Solche Gedanken können dazu führen, dass man lieber schweigt, bis etwas tatsächlich eingetreten ist.
Laut Brigitte kann es auch daran liegen, dass viele Panameños an Karma und mala vibra glauben und es daher vermeiden, Dinge an die große Glocke zu hängen.
Warum aktive Rentner in Deutschland überraschen
Als wir zum Supermarkt gehen, kommen wir an einer Rentnerin mit Gehhilfe vorbei, die erstaunlich flott unterwegs ist.
Brigitte hat es überrascht, wie aktiv alte Menschen in Deutschland sind.
In Panama wäre das allein wegen des Zustands vieler Gehwege kaum möglich.
Als wir die Festung Marienberg besucht haben, sah sie ein Rentnerehepaar mit E-Bikes den Berg hinauffahren.
„Meine Mutter – die deutlich jünger ist – würde das niemals machen.“
Meine Partnerin kann sich ihre Verwandten über 50 unmöglich auf Rädern vorstellen.
„Menschen über 50 in Panama machen diese Dinge nicht mehr, weil sie gefährlich sind und sie ihrer Familie bei einem Unfall nicht zur Last fallen möchten.“
Warum wir das Essen unterschiedlich servieren
Eine Kleinigkeit, die Brigitte komisch vorkommt:
Menschen stellen Töpfe auf den Esstisch und nehmen sich von dort das Essen.
„In Panama nimmt man sich das Essen vom Herd.“
Ich frage sie erstaunt, dass wir die Töpfe bei uns in Panama ja auch auf den Tisch stellen.
Ihre Antwort:
„Ja, aber das machen wir ja nur wegen dir.“
Warum Kinder auf dem Spielplatz unterschiedlich viel Freiheit bekommen
Wir sind mit Freunden, die drei Töchter haben, auf einem Spielplatz.
Die Töchter laufen herum, die Eltern beachten sie eine Weile gar nicht.
„Das würde ich in Panama niemals machen. Was ist, wenn der Mann da vorne einfach eine mitnimmt?“
In Panama bevorzugen Eltern oft kontrollierte Bereiche.
Warum Alkohol und Zigaretten in Deutschland so selbstverständlich wirken
Was mir dieses Mal in Deutschland wirklich stark ins Auge gesprungen ist, ist der Konsum von Alkohol und Tabak in der Öffentlichkeit.
Wir kommen aus dem Parkhaus in Würzburg und das Erste, was wir sehen, sind zwei junge Männer mit Wegbier.
Meine Partnerin kann sich noch erinnern, wie geschockt sie war, als sie das erste Mal in Karlsruhe eine Freundin besucht hatte.
An der Uni hatte der Professor eine Gruppe Studenten zu einem Bier ins Professorenzimmer eingeladen.
„Bier an der Uni?! Mit dem Professor?! Das habe ich mir nicht vorstellen können.“
Wenn man durch die Stadt läuft, dauert es nicht lange, bis man Zigarettenrauch riecht.
Brigitte meint zu mir besorgt:
„Hast du die Frau an der Haltestelle gesehen? Sie hat einen Kinderwagen und raucht.“
Bei diesem Besuch ist mir besonders aufgefallen, wie selbstverständlich Alkohol und Tabak zum öffentlichen Leben in Deutschland gehören.
Mehr dazu: Rauchen und Alkohol in Panama: Was erlaubt ist – und was nicht
Fazit
Ein Kulturschock entsteht nicht nur, wenn man in ein fremdes Land zieht.
Manchmal reicht es, in die eigene Heimat zurückzukehren und sie mit den Augen eines anderen Menschen zu sehen.
Ein Kommentar
wolfgang.heese@gmx.de
Wie ich es genieße, dass in Panama nicht, oder nur selten geraucht wird.