Vier Wege über den Isthmus — zu Fuß, per Bahn, per Boot und mit dem Helikopter

Der Isthmus von Panama verbindet Nord- und Südamerika und trennt gleichzeitig die Karibik vom Pazifik.

Seit Jahrhunderten spielt der Isthmus von Panama eine Schlüsselrolle für den Welthandel und die Geschichte Amerikas.

Ich hatte das Glück, diesen Isthmus auf vier sehr unterschiedliche Arten zu überqueren — zu Fuß, mit der Bahn, per Boot durch den Kanal und mit dem Helikopter. Und jede zeigt ein anderes Panama.

1. Zu Fuß: der Camino de Cruces

Der Camino de Cruces war eine der Hauptschlagadern des spanischen Imperiums.

Auf diesem gepflasterten Dschungelpfad wurden einst Gold und Waren zwischen Karibik und Pazifik transportiert.

Heute kann man rund 22 km davon selbst erwandern, mitten durch den Regenwald.

Los geht es gewöhnlich in Panama-Stadt, in der Nähe des Obst- und Gemüsegroßmarktes MERCA.

Man wandert auf einem nur mäßig instandgehaltenen Weg durch den Urwald. Umgefallene Bäume und an ein bis zwei Stellen nicht optimale Beschilderung machen aus der Wanderung ein kleines Abenteuer.

Auf der Wanderung wurde mir bewusst, was es für eine unglaubliche Leistung ist, dass sich heute Containerschiffe mit bis zu 14.000 Containern durch den Urwald schieben.

Es kommen einem Gedanken wie: „Oh mein Gott, wie haben die hier den ganzen Weg durch den Urwald gepflastert und instandgehalten?

Das Besondere: Am Ende, bei Venta de Cruces, steigt man — genau wie die Reisenden vor 400 Jahren — aufs Boot um und fährt ein kleines Stück über den Rio Chagres weiter.

(→ Die komplette Route, Ausrüstung und Sicherheits-Tipps findest Du im ausführlichen Camino-de-Cruces-Guide.)

2. Mit der Bahn: die Panama Canal Railway

Im Jahr 1855 ging die Panama Railroad Company als die erste Eisenbahn, die den amerikanischen Kontinent zwischen Atlantik und Pazifik verband, in Betrieb.

Getrieben wurde der Bau durch den Goldrausch in Kalifornien.

Die Verbindung spielte eine entscheidende Rolle bei der Besiedlung des Westens der USA.

Wenn man die Strecke durch den Urwald gewandert ist, merkt man, was für ein riesiger Sprung die Eisenbahn war.

Heute verbindet sie in rund einer Stunde Panama-Stadt am Pazifik mit Colón an der Karibik, über weite Strecken direkt am Gatúnsee entlang.

Die Eisenbahn ist ein toller Ausflug für die ganze Familie. Sie fährt durch den Urwald und über Bahndämme teilweise über den Gatúnsee.

Wichtig: Der Touristenzug fährt derzeit nur samstags. Außerdem werden die Termine erst am Ende des Vormonats angekündigt. Es kann sein, dass die Bahn an manchen Samstagen nicht fährt.

Du kannst eine Fahrt über folgende Seite buchen.

Achtung: Die Panoramawagen sind sofort ausgebucht. Wer dies erleben will, muss sehr schnell sein. Die Online-Ticket-Buchung ist ziemlich schlecht gemacht.

3. Per Boot: durch den Panamakanal

Die dritte Überquerung des Isthmus war mit einem Boot durch den Panamakanal.

Mich hatte jemand eingeladen, als Line-Handler auf einem Boot von der Karibik zum Pazifik zu fahren.

In der Linton Bay Marina in Colón riecht man die Luft der großen weiten Welt.

Von hier aus ging es durch die alten Schleusen bis zum Gatúnsee, wo wir übernachteten.

Am nächsten Tag ging es weiter bis nach Panama-Stadt.

Ein Eindruck, der mir im Gedächtnis geblieben ist, ist der Blick in der Schleuse nach unten. Man merkt, dass eine wirklich respektable Höhe überwunden wird.

Außerdem merkt man, wie schnell die großen Frachter unterwegs sind. Von außen sieht es gemächlich aus. Aber sie verlieren keine Minute und sind viel flotter, als es vom Ufer aussieht.

Die Fahrt über den Gatúnsee gleicht einem Mini-Amazonas. Eine eigene Wasser- und Urwald-Welt.

Wenn Du die Möglichkeit hast, auf einem Boot mitzufahren, dann tu das!

Um Mitfahrmöglichkeiten zu finden, würde ich in der Linton Bay Marina fragen. Es gibt dort auch ein schwarzes Brett, auf dem man ggf. einen Mitfahrwunsch aushängen kann. Einfach probieren.

4. Durch die Luft: per Helikopter

Als mich meine Eltern das erste Mal in Panama besucht hatten, habe ich ihnen zuerst Panama vom Boden aus gezeigt.

Am letzten Tag ihres Urlaubs hatte ich sie dann mit einem Helikopterflug überrascht.

Vom Flughafen in Albrook aus ging es vorbei an Gamboa über den Gatúnsee bis zur neuen Agua Clara Schleuse in Colón.

Von dort aus folgte der Helikopter dem alten Flussbett des Rio Chagres bis zur Mündung in die Karibik.

Dabei ist der Helikopter nur wenige Meter über dem Fluss und folgt den Windungen durch den Urwald.

An der Mündung sieht man die koloniale Festung San Lorenzo über der Bucht thronen.

Weiter ging es an der Felsenküste bis nach Colón und wieder am Kanal entlang bis nach Panama-Stadt.

In Panama-Stadt hat der Helikopter noch eine Runde über die Stadt gedreht und ist vorbei an Punta Paitilla und der Avenida Balboa geflogen.

Der Blick aus der Luft ermöglicht es, die zuvor am Boden gewonnenen Eindrücke ganz neu einzuordnen.

Der Flug dauerte rund eine Stunde. Der Basispreis lag bei 1.200 USD für zwei Personen.

Für jeweils 100 USD konnten noch zwei weitere Passagiere mitfliegen.

Einschließlich Steuern und Gebühren landet man insgesamt bei rund 1.500 USD – also etwa 375 USD pro Person bei voller Auslastung.

Fazit: vier Panamas an einem Ort

Vier Überquerungen desselben Isthmus – und jedes Mal ein ganz anderes Erlebnis.

Ich kann nicht mal sagen, welche der vier Überquerungen meine liebste ist. Jede ist einfach ganz anders auf ihre eigene Art.

Was mich an Panama besonders fasziniert, ist, wie sich hier Geschichte, Natur und Technik miteinander verbinden.

Wenn ich heute mit dem Zug am Gatúnsee entlangfahre, denke ich an die Wanderung auf dem Camino de Cruces. Vom Boot aus sehe ich den Culebra Cut aus einer völlig anderen Perspektive, und aus der Luft wird plötzlich klar, wie all diese Orte miteinander verbunden sind.

Auf welche Arten hast Du den Isthmus schon überquert? Ich hoffe, Du hast ein paar Anregungen bekommen.


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