Motorradfahren in Panama: Meine Erfahrungen nach 35.000 km

Ich bin erst mit etwa 38 Jahren zum Motorradfahren gekommen.

Hier in Panama ist das Motorrad zu meinem bevorzugten Fortbewegungsmittel geworden.

Allerdings hat Motorradfahren nicht nur Vorteile.

Hier meine Erfahrungen nach über 35.000 km in Panama.

Motorräder sind in Panama weniger verbreitet

Motorräder sind im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern wie Kolumbien oder Venezuela in Panama traditionell deutlich weniger verbreitet.

Die Panameños benutzen hauptsächlich Autos.

Wenn man hier eine Frau auf dem Motorrad sieht, kann man darauf wetten, dass sie nicht aus Panama ist.

Viele Fahrer von Lieferdiensten sind nicht aus Panama.

Im Stau unschlagbar

Der größte Vorteil eines Motorrads zeigt sich im Stau.

In Panama-Stadt ist auf vielen großen Straßen genug Platz, um durch die Gasse der stehenden Autos zu fahren.

Selbst wenn man vorsichtig fährt, ist man zu Stoßzeiten oft zwei- bis dreimal schneller als ein Auto — ohne Harakiri zu fahren.

Als Nicht-Motorradfahrer sieht dies wahrscheinlich gefährlicher aus, als es ist.

Da die Autos Stoßstange an Stoßstange stehen, ist das Risiko meiner Erfahrung nach überschaubar.

Die größte Gefahr sind die Motorrad-Lieferdienste, die viel schneller unterwegs sind und sich zwischen den Autos hindurchschlängeln. Normalerweise ist das aber kein Problem.

Das größte Problem: Regen

Ein Grund, warum Motorräder in Panama nicht weiter verbreitet sind, ist sicher das tropische Klima.

Wer zur Arbeit muss und auf dem Motorrad in einen Wolkenbruch gerät, für den ist das schlicht unangenehm.

Durch die nasse Kleidung und den Fahrtwind kann man trotz der tropischen Temperaturen schnell auskühlen.

Bei Regen sieht man außerdem die Fahrbahnbeschaffenheit kaum noch.

Manche Straßen werden zu Seen oder Flüssen. Wasser aus der Kanalisation kann Abwasser sein.

Gefahren auf zwei Rädern

Motorradfahren hat seine Risiken:

  1. Schlaglöcher: In Panama gibt es tiefe Krater im Asphalt. Bei Regen werden diese unsichtbar. Bei Tageslicht sind Schlaglöcher ein deutlich kleineres Problem, als man denken könnte. Als Motorradfahrer kann man den einzelnen Löchern viel besser ausweichen als ein Auto. Außerdem macht ein Schlagloch, auf das man vorbereitet ist, deutlich weniger aus, als man denkt.
  2. Fehlende Kanaldeckel: Es kommt immer wieder vor, dass Kanaldeckel geklaut werden. Manchmal werden sie auch vom Wasserdruck herausgehoben. Bisher bin ich einmal über einen offenen Kanalschacht gefahren. Ich hatte Glück und erstaunlich wenig gemerkt. Allerdings kann dies auch ganz anders ausgehen.
  3. Autofahrer: Im Allgemeinen nehmen Autofahrer Rücksicht auf Motorradfahrer. Zum Beispiel machen sie manchmal die Gasse frei, wenn ein Motorrad kommt und sie zu weit in der Mitte stehen. Einzelne Autofahrer haben Aggressionen gegen Motorradfahrer und können versuchen, einen wegzudrängen. Autofahrer sind am gefährlichsten, wenn die Straßen frei sind. Dann werden einige zum Tier.
  4. Nacht: Ich vermeide es, nachts zu fahren — besonders überland und unbekannte Strecken. Meiner Meinung nach steigt die Gefahr deutlich. Ohne Stau fahren viele aggressiver und man wird leicht übersehen. Auf unbeleuchteten Straßen zu fahren ist sehr unangenehm. Manchmal sind die Fahrer auch angetrunken.

Defensives Fahren in Panama ist ein Muss. Man muss die Fahrgewohnheiten der Einheimischen kennenlernen, um zu wissen, welche Situationen zu Problemen führen können und entsprechend mitdenken.

Warum das Auto trotzdem unverzichtbar bleibt

Trotz des Verkehrs ist das Auto in einigen Situationen unverzichtbar:

  • Familie & Einkäufe: Mit Frau und Baby oder nach dem Großeinkauf bei PriceSmart hat das Zweirad Pause.
  • Klimaanlage & Komfort: Nach einem langen Tag bei 32 Grad und 85 % Luftfeuchtigkeit entspannt im klimatisierten Auto nach Hause zu fahren, ist Luxus.
  • Lange Strecken: Über die Panamericana nach Chiriquí oder an die Strände von Coronado fahre ich mit der Familie im Auto deutlich sicherer und entspannter.

Fazit

Wer ängstlich ist, der sollte nicht aufs Motorrad steigen.

Ein Mittelweg könnte ein Roller für kurze Fahrten sein.

Für die meisten Menschen ist aber das Auto für den Alltag die bessere Wahl.

Mir hat mein Motorrad mittlerweile sicher schon Wochen an Lebenszeit gespart. Außerdem macht es mir deutlich mehr Spaß.

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