Panama auf der schwarzen Liste? Welche Liste meinst Du?

Weltweit wird alles in Verbindung mit Finanzen immer komplizierter.

Seit den Panama Papers haftet Panama ein negativer Ruf als Steueroase an und das Land landete auf verschiedenen internationalen Listen.

Die verschiedenen Listen führen zu Verwirrung: Manchmal hört man „Panama ist endlich runter“, und dann steht es doch noch auf anderen Listen.

In diesem Artikel werfe ich einen Blick auf die verschiedenen Listen und was der jeweils letzte Stand ist.

Von welchen Listen ist Panama runter und auf welchen steht es noch?

Welche Listen gibt es?

1. Die graue Liste der FATF. Die Financial Action Task Force (FATF) ist eine internationale Arbeitsgruppe gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Ihre „graue Liste“ heißt offiziell increased monitoring — Länder unter verschärfter Beobachtung. Es geht um Geldwäsche, nicht um Steuern.

2. Die EU-Liste der Hochrisikoländer. Die EU führt eine eigene Geldwäsche-Liste. Sie orientiert sich an der FATF, folgt ihr aber nicht automatisch und vor allem nicht sofort. Der Fokus liegt auf Geldwäsche.

3. Die EU-Liste nicht kooperativer Länder für Steuerzwecke. Das ist die, die im Deutschen meist „Steueroasenliste“ oder „schwarze Liste“ genannt wird. Hier geht es um Steuerpolitik und steuerliche Zusammenarbeit — ein anderes Thema, eine andere Prüfung, eine andere Zuständigkeit.

4. Die deutsche Liste im Steueroasen-Abwehrgesetz. Für Dich als Deutschen die wichtigste, weil sie als einzige unmittelbar deutsches Recht auslöst. Die deutsche Liste wird nicht automatisch bei jeder Änderung der EU-Liste aktualisiert und kann deshalb hinter dem aktuellen EU-Stand zurückbleiben.

Vier Listen, zwei Themen, vier Zuständigkeiten — und keine davon deckungsgleich mit einer anderen.

Wo steht Panama heute?

ListeThemaPanama
FATFGeldwäsche✅ gestrichen 2023
EU-HochrisikolisteGeldwäsche✅ gestrichen 2025
EU-SteuerlisteSteuerpolitik❌ weiterhin gelistet
Deutschland (StAbwV)deutsches Steuerrecht❌ weiterhin gelistet

FATF: Panama kam im Juni 2019 auf die graue Liste und wurde am 27. Oktober 2023 wieder gestrichen, nachdem es seinen Aktionsplan abgearbeitet hatte [González23].

EU-Hochrisikoliste: Panama stand auf dieser Liste bereits seit 2015. Die EU zog der FATF-Entscheidung erst im Juli 2025 nach, also fast zwei Jahre später: Die Streichung lief über das Europäische Parlament, wo Anfang Juli 2025 noch ein Ablehnungsantrag eingebracht wurde. Er scheiterte, und Panama war raus [Hernández25].

EU-Steueroasenliste: Beim Update vom 17. Februar 2026 stand Panama wieder darauf — als eines von zehn Gebieten [EUKom26]. Die EU überprüft die Liste zweimal im Jahr. Üblicherweise im Februar und Oktober.

Deutschland (StAbwV): Panama steht seit dem 24. Dezember 2021 in der Steueroasen-Abwehrverordnung [StAbwV]. Das ist die Liste, die für Deutsche die größte Auswirkung hat.

Kurz: Beim Thema Geldwäsche ist Panama runter. Beim Thema Steuern steht es auf beiden Listen, der europäischen wie der deutschen.

Was ist das Problem?

Die EU und Deutschland stören sich daran, dass Panama ausländische Einkünfte von der Steuer freistellt.

Das Problem ist dabei die territoriale Besteuerung bestimmter ausländischer Einkünfte: Panama besteuert grundsätzlich Einkünfte aus panamaischen Quellen, während bestimmte ausländische Einkünfte steuerfrei bleiben.

Panama hat sich verpflichtet, die Beanstandungen der EU bis zum 17. Juli 2026 anzugehen [EFE25]. Über die Streichung entscheidet die EU bei der Revision im Oktober 2026 [Hernández26a]. Und anders als bei früheren Ankündigungen ist dafür inzwischen ein Gesetz in Kraft.

Panamas Antwort: das Gesetz über wirtschaftliche Substanz

Präsident Mulino hat am 28. Mai 2026 die Ley 526 unterzeichnet, die sogenannte Ley de Sustancia Económica (Gesetz über wirtschaftliche Substanz).

Gelten soll es ab dem Steuerjahr 2027 [Hernández26c], [MEF26].

Das Gesetz richtet sich an multinationale Unternehmen, die passive Einkünfte aus dem Ausland beziehen: Dividenden, Zinsen, Lizenzgebühren, Veräußerungsgewinne, Mieteinnahmen.

Diese Firmen müssen nachweisen, dass die relevanten Aktivitäten tatsächlich in Panama ausgeübt, geleitet und kontrolliert werden.

Dafür braucht es je nach Tätigkeit unter anderem echte Mitarbeiter, Infrastruktur und entsprechende Betriebsausgaben.

Wer den Nachweis gegenüber dem Finanzamt (DGI) erbringt, für den bleibt es beim bisherigen Zustand: Die ausländischen Einkünfte bleiben steuerfrei. Wer ihn nicht erbringt, gilt als „nicht qualifiziert“ und zahlt 15 Prozent auf den Nettoertrag [Hernández26b].

Damit tastet Panama die territoriale Besteuerung nicht an — es entzieht sie den Briefkastenfirmen.

Wichtig: Das Gesetz richtet sich nicht allgemein gegen Privatpersonen, die nach Panama ziehen.

Im Zweifelsfall solltest Du mit Deinem Steuerberater sprechen.

Warum das für Deutsche konkret zählt

Für die meisten Länder ist so eine Liste ein Imagethema. Für Deutsche ist sie das nicht, denn an ihr hängt ein deutsches Gesetz.

Das Steueroasen-Abwehrgesetz (StAbwG) trat am 30. Juni 2021 in Kraft.

Das Gesetz richtet sich gegen Geschäftsvorgänge mit Personen und Gesellschaften in den gelisteten Ländern. Die Maßnahmen greifen gestaffelt und werden mit den Jahren schärfer. Dazu gehören unter anderem:

  • verschärfte Mitwirkungs- und Dokumentationspflichten
  • ein Verbot des Betriebsausgabenabzugs
  • verschärfte Hinzurechnungsbesteuerung
  • Quellensteuermaßnahmen
  • und seit 2026 zusätzlich Einschränkungen bei der Steuerbefreiung von Gewinnausschüttungen und Anteilsveräußerungen

Das Gesetz zielt auf Geschäftsvorgänge, nicht auf Wohnsitze. Wer hier lebt, ist etwas anderes als wer von Deutschland aus mit einer panamaischen Gesellschaft arbeitet.

Bei Fragen solltest Du unbedingt einen Steuerberater kontaktieren.

Was im Oktober passiert

Die EU überprüft ihre Steueroasenliste zweimal im Jahr. Die nächste Revision steht im Oktober 2026 an. Die deutsche Verordnung wird üblicherweise einmal jährlich zum Jahresende an den EU-Stand angepasst.

Das heißt: Wenn Panama im Oktober gestrichen wird, wirkt das nicht sofort. Zwischen einer EU-Entscheidung und dem deutschen Recht liegt Zeit, wie schon bei der Aktualisierung der Geldwäscheliste.

Fazit

Wenn Dir das nächste Mal jemand sagt, Panama stehe „auf der schwarzen Liste“ oder sei „längst runter“, ist die einzige sinnvolle Rückfrage: Welche Liste meinst Du?

Beim Geldwäschethema ist Panama seit 2023 beziehungsweise seit 2025 auch in der EU nicht mehr gelistet.

Bei den EU- und deutschen Steuerlisten steht es weiter drauf, und daran hängt für Deutsche ein Gesetz mit realen Folgen.

Fandest Du diesen Artikel hilfreich oder hast Du weitere Anregungen? Dann lass mir einen Kommentar da.

Stand: August 2026. Dieser Text ist eine allgemeine Übersicht und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Listen und Verordnungen ändern sich — die nächste EU-Revision steht im Oktober 2026 an. Wenn Dir etwas veraltet oder falsch vorkommt, schreib mir.

Quellen

[González23] José González Pinilla: El GAFI retira a Panamá de su lista gris, La Prensa, 27.10.2023. https://www.prensa.com/economia/el-gafi-retira-a-panama-de-su-lista-gris/

[EFE25] EFE: La Unión Europea mantiene a Panamá y otros diez países en su lista de paraísos fiscales, La Prensa, 18.02.2025. https://www.prensa.com/economia/la-union-europea-mantiene-a-panama-y-otros-diez-paises-en-su-lista-de-paraisos-fiscales/

[Hernández25] Katiuska Hernández: Panamá sale de la lista de la Unión Europea de países de alto riesgo para el blanqueo de capitales, La Prensa, 09.07.2025. https://www.prensa.com/economia/panama-sale-de-la-lista-de-la-union-europea-de-paises-de-alto-riesgo-para-el-blanqueo-de-capitales/

[Hernández26a] Katiuska Hernández: Panamá contra el reloj para salir de la lista de paraísos fiscales: estas son las fechas clave, La Prensa, 23.04.2026. https://www.prensa.com/economia/panama-contra-el-reloj-para-salir-de-la-lista-de-paraisos-fiscales-estas-son-las-fechas-clave/

[Hernández26b] Katiuska Hernández: Empresas internacionales pagarán 15% de impuesto en Panamá si no demuestran operación real, La Prensa, 02.05.2026. https://www.prensa.com/economia/empresas-internacionales-pagaran-15-de-impuesto-en-panama-si-no-demuestran-operacion-real/

[Hernández26c] Katiuska Hernández: Mulino sanciona la Ley de Sustancia Económica, La Prensa, 29.05.2026. https://www.prensa.com/economia/mulino-sanciona-la-ley-de-sustancia-economica/

[MEF26] Ministerio de Economía y Finanzas: Aprueban Ley de Sustancia Económica para fortalecer la competitividad y transparencia de Panamá, Mai 2026. https://www.mef.gob.pa/2026/05/aprueban-ley-de-sustancia-economica-para-fortalecer-la-competitividad-y-transparencia-de-panama/

[EUKom26] Europäische Kommission, Taxation and Customs Union: EU updates list of non-cooperative tax jurisdictions, 17.02.2026. https://taxation-customs.ec.europa.eu/news/eu-updates-list-non-cooperative-tax-jurisdictions-highlighting-commitment-global-tax-good-governance-2026-02-17_en

[StAbwV] Steueroasen-Abwehrverordnung, § 2 — Panama als nicht kooperatives Steuerhoheitsgebiet, seit 24.12.2021. https://www.gesetze-im-internet.de/stabwv/__2.html


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