Die dunkle Seite der 25 % Rentnerrabatte in Panama

Eine 70-jährige Frau kommt in eine Apotheke:

Ich hätte gerne die Pille. Mit Rentnerrabatt bitte.

Panama wirbt bei Auswanderern mit Rentnerrabatten. Diese hören sich toll an: „25 % auf Flüge“ oder „25 % auf Restaurants“.

Wie so oft bei künstlichen Markteingriffen verursacht dies Verzerrungen und ungewünschte Nebenwirkungen.

Besonders bekommen dies kleine Unternehmen in Panama zu spüren.

Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Eines vorweg: Der Artikel ist nicht dazu gedacht, ein schlechtes Gewissen zu verursachen. Ich versuche lediglich, die Realität möglichst objektiv zu schildern.

Woher das Gesetz kommt

Die Rabatte wurden 1987 eingeführt – in einer Zeit, in der Panama unter der Militärherrschaft stand.

Sie sind also fast vierzig Jahre alt. Über die Jahrzehnte wurden sie immer wieder angepasst.

Jeder Betrieb muss gut sichtbar aushängen, welche Rabatte es gibt. Nicht-Anwendung kann bestraft werden.

80 % der Rentner in Panama bekommen unter 800 USD Rente [La Estrella].

Wer die Voraussetzungen für eine Altersrente der Sozialversicherung erfüllt, hat Anspruch auf mindestens 300 USD im Monat.

Für ältere Menschen ohne eigene Altersrente gibt es unter bestimmten Voraussetzungen das Programm „120 a los 65“ als staatliche Unterstützung: 120 USD pro Monat ab 65 Jahren.

Im Krankheitsfall von Senioren ist es oft die Familie, die zusammenlegt, um für Behandlungen zu zahlen.

D. h. die Rabatte helfen den Familien, diese Last zu tragen.

Der Rabatt ist kein Geschenk des Staates

Wichtig: Die Rabatte werden zunächst vom Unternehmer gewährt. Die Idee des Gesetzes war, dass der nachgelassene Betrag unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich geltend gemacht werden kann.

Wer 25 % nachlässt, bekommt diese 25 % also nicht vom Staat zurück. Wie viel ihm die steuerliche Geltendmachung tatsächlich bringt, hängt von seiner individuellen steuerlichen Situation ab.

Wenn man das erste Mal von diesem Gesetz hört, könnte man denken:

Interessanter Ansatz. Die Unternehmen legen die Rabatte einfach auf alle Kunden um, und für den Staat ist es praktisch kostenlos.

Gerade kleine Unternehmen haben diese Möglichkeit aber oft nicht.

Kein Gewinn

Der erste Haken ist, dass viele kleine Läden kaum Gewinn erwirtschaften, den sie gegenrechnen könnten.

Sie leben von Tag zu Tag.

Dazu kommt, dass viele mit der Bürokratie überfordert sind.

D. h. am Ende bleiben sie auf dem Rabatt komplett sitzen.

Missbrauch

In Apotheken kommen zum Beispiel Rentner, die Medikamente für Babys oder Verhütungsmittel mit Rabatt möchten.

Es kommen Jugendliche mit der Cédula (Personalausweis) eines Rentners und verlangen ein Medikament mit Rabatt. Ist dies tatsächlich für den Rentner?

Im Restaurant bestellt ein Rentner drei Teller auf seinen Namen. Zulässig ist es nicht, aber es wird versucht.

Wie das Gesetz neutralisiert wird

Das Gesetz kann relativ einfach neutralisiert werden.

Gewährt ein Geschäft bereits einen allgemeinen Rabatt, der mindestens so hoch ist wie der gesetzliche Rentnerrabatt, entsteht für den Rentner kein zusätzlicher Preisvorteil.

Ein Dauerrabatt von 30 % liegt beispielsweise bereits über dem gesetzlichen Rabatt von 25 %.

Hört sich seltsam an?

Am besten sieht man das bei den großen Apothekenketten wie Farma ValueFarma Saba oder Farma Ahorro.

Diese werben oft mit einem Dauerrabatt von 30 % — dies ist 5 Prozentpunkte höher als der Rentnerrabatt.

Der Knackpunkt ist, dass es einen festen Referenzpreis gibt, auf den die Apotheken den Rabatt gegenrechnen.

Große Ketten kaufen zu deutlich besseren Konditionen ein. Dadurch haben sie höhere Spielräume bei der Preisgestaltung und können sich solche Rabatte leichter leisten.

Kleine Apotheken können das oft nicht. Bei ihnen geht der Rabatt deutlich stärker auf die ohnehin knappe Marge und muss letztlich über andere Verkäufe ausgeglichen werden.

Es kommt vor, dass die großen Ketten Medikamente unter dem Einkaufspreis der kleinen Apotheken verkaufen.

Kleine Apotheken können so diesen Trick nicht anwenden.

Im Restaurant eines deutschen Auswanderers auf einer Insel habe ich den Dauerrabatt auch schon gesehen: dauerhaft 20 % reduziert.

Seine Begründung: „Ich habe es satt, dass die Millionäre aus den umliegenden Villen kommen und ihren Rabatt auf mein Essen einfordern. Bei mir zahlen alle denselben Preis.

Er meinte, dass er den Tipp dafür sogar von einem hohen Mitarbeiter der ACODECO (Verbraucherschutzbehörde) bekommen hat.

Was das für Dich heißt

Wie anfangs erwähnt, möchte ich niemandem seinen Rentnerrabatt madig machen.

Als Auswanderer bringst Du ja auch Geld nach Panama, das in die Wirtschaft fließt.

Aber zumindest solltest Du Dir der Problematik bewusst sein.

Wenn Du einem kleinen lokalen Geschäft etwas zurückgeben möchtest und es Dir finanziell nicht weh tut, kannst Du natürlich auch freiwillig auf den Rabatt verzichten.

Glaub mir, für jemanden in einem kleinen Laden machen ein paar Dollar sehr viel aus.

Ein sozial gut gemeintes Gesetz trifft wirtschaftlich sehr unterschiedliche Unternehmen.

Und je kleiner der Betrieb, desto schwerer kann die Belastung wiegen.


Quellen

[Ley 6] República de Panamá, Ley N° 6 de 16 de junio de 1987 — Rabatte (Art. 1), steuerliche Absetzbarkeit (Art. 6), Aushangpflicht und Bußgelder (Art. 5 und 7-A). Ley 6 de 1987 (PDF)

[La Estrella] Mileika Lasso, „Descuento para jubilados: Comercios se resisten a cumplir con la Ley 6 de 1987″, La Estrella de Panamá, 29.10.2025: laestrella.com.pa

[ACODECO] Autoridad de Protección al Consumidor y Defensa de la Competencia: acodeco.gob.pa


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Ein Kommentar

  1. Wolfgang Heese

    Danke für die Erklärung des Rentnerrabattes. Instinktiv habe ich nie in kleinen Betrieben, wie z.B. in einem Fonda meine Cedula gezückt.

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