Das Drama um die Schüler — wie Lehrerstreiks Panama 2,5 Schuljahre kosteten

Zwischen 2020 und 2025 fielen in Panama rund 490 Schultage aus.

Für manche Schüler entspricht das dem Verlust von fast 40 % ihrer gesamten Unterrichtszeit – oder rund 2,5 Schuljahren.

Innerhalb der OECD-Vergleichsdaten gehört Panama zu den Ländern mit den meisten ausgefallenen Unterrichtstagen.

Ursache waren zunächst die langen Schulschließungen während der Corona-Pandemie und später weitere Unterrichtsausfälle infolge landesweiter Proteste und Lehrerstreiks.

Die genannten Zahlen stammen aus einer Studie der Organisation FUDESPA.

Auswirkungen, die in der Studie genannt werden, sind u. a.:

  • 60 % der Arbeitsanfänger haben informelle Jobs.
  • Jeden Monat gibt es statistisch 1.000 neue sog. „Ninis“. Nini steht für „ni estudia, ni trabaja“ (weder arbeitet, noch studiert er).
  • Besonders betroffen sind Frauen, Indigene in abgelegenen Regionen und Menschen in sozial schwachen Schichten.

An privaten Schulen konnten etwa 68 % des ausgefallenen Unterrichtsstoffes wieder aufgeholt werden. An staatlichen Schulen waren es nur 35 %.

Die Studie sagt voraus, dass der Schulausfall bis 2035 einen negativen Einfluss auf das BIP in Höhe von -0,9 % bis -4,2 % haben wird.

Die Stärke des Effekts hängt davon ab, wie stark die Regierung der Entwicklung noch entgegensteuert.

Um die Zahlen zu verstehen, muss man die Gewerkschaften verstehen

Um die hohe Anzahl der ausgefallenen Schultage zu verstehen, muss man den Einfluss der Gewerkschaften in Panama verstehen.

Nach SUNTRACS (Bau) ist die Gewerkschaft der Lehrer die zweiteinflussreichste Gruppe.

Kritiker werfen Teilen der Gewerkschaften vor, Schüler als Druckmittel einzusetzen, um politische Forderungen durchzusetzen.

So entsteht der Eindruck, dass die Schüler zum Druckmittel im politischen Konflikt werden.

Dabei berufen sich die Lehrer auf ihr Streikrecht.

Für Ausländer kann es erstaunlich sein, wie selbstverständlich manche Lehrer ihr Recht zu streiken über das Recht der Kinder auf Bildung stellen.

In der breiten Bevölkerung treffen die Streiks der Lehrer aber durchaus auf Verständnis.

Den Satz „Das ist ihr Recht“ habe ich schon oft gehört.

Zur Vollständigkeit muss man aber noch dazu sagen, dass es auch Lehrer gibt, die sich nicht an allen Streiks beteiligen.

Meine Sicht

Ich habe mich schon oft gefragt, warum man nicht Unterricht geben und im Anschluss demonstrieren kann?

Warum müssen deswegen zwei Monate Schule im Jahr ausfallen?

Was für mich in den letzten Jahren offensichtlich wurde, ist, dass es an einer ausgewogenen Streik- und Demonstrationskultur in Panama fehlt.

Die Streikenden stellen oft ihr Recht zu streiken über die Rechte und das Wohl aller anderen.

Anstatt vor ein Ministerium zu ziehen und dort zu demonstrieren, werden die normalen Mitbürger mit hineingezogen, die es eh schon schwer genug haben, ihren Alltag zu meistern.

Ein Extrembeispiel waren die landesweiten Proteste gegen die Kupfermine, bei denen wichtige Abschnitte der Interamericana über Wochen blockiert wurden.

Das Positive daran ist, dass die Leute wenigstens streiken und ihre Meinung äußern.

In den Medien wird die Angemessenheit der Herangehensweise der Gewerkschaften durchaus hinterfragt.

Als Ausländer in Panama sollte man versuchen gelassen mit der Situation umzugehen.

Viele Diskussionen über Panamas wirtschaftliche Zukunft drehen sich um neue Investitionen, den Panamakanal oder den Bergbau.

Langfristig dürfte aber kaum etwas wichtiger sein als die Bildung der heutigen Schüler. Denn fehlender Unterricht lässt sich später nur schwer vollständig nachholen.


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