Als Auswanderer bekommt man Steine in den Weg gelegt, mit denen man nicht gerechnet hat.
Die meisten fragen sich vor dem Umzug, ob sie in Panama ein Bankkonto bekommen.
Kaum jemand fragt sich, ob er sein deutsches behält.
Zweimal gekündigt
2020 bin ich ausgewandert.
Wie es sich gehört, habe ich mich in Deutschland abgemeldet und bei meinen Banken die Anschrift geändert.
Kurz darauf kam die Kündigung der Comdirect Bank.
Dort war ich fast 20 Jahre Kunde. Nie ein Problem, nie ein Dispo überzogen, nie etwas Ungewöhnliches.
Auf meine Nachfrage nach dem Grund kam der zu erwartende Satz: „Wir begründen nicht.“
Die Comdirect gehörte zu den empfohlenen Banken für Deutsche im Ausland.
Danach blieb mir noch mein Konto bei der DKB.
2024 wurde dann aus heiterem Himmel auch das noch geschlossen.
Auf Nachfrage dieselbe Nicht-Begründung.
Comdirect und DKB werden auf vielen Seiten als die besten deutschen Banken für Auswanderer genannt.
Der Zeitpunkt ist das Problem
Eine Kontokündigung ist ärgerlich.
Besonders nach der Kündigung der Comdirect Bank bin ich ins Schwitzen gekommen: Was mache ich, wenn morgen das DKB-Konto geschlossen wird?
In Panama war ich noch ein unbeschriebenes Blatt.
Es dauert, bis man sich etabliert hat.
Wenn in dieser Phase das letzte deutsche Konto wegfällt, wird es unangenehm.
Die Schließung des DKB-Kontos war für mich deutlich weniger kritisch, da ich mich in Panama bereits gut aufgestellt hatte.
Das einzige Ärgernis ist, dass ich kein Euro-Konto mehr habe, wenn ich die Familie einmal im Jahr besuche.
Warum ist es passiert?
Ich bin mir bis heute nicht sicher, warum die Konten geschlossen wurden.
Bei der Comdirect Bank war es wahrscheinlich ein Automatismus: Die Kündigung kam zeitnah zu meiner Adressänderung.
Bei der DKB nehme ich an, dass der Bank das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht gepasst hat.
Meine Vermutung ist, dass ein Kunde in Panama deutlich mehr Prüfaufwand verursacht.
Das DKB-Konto hatte ich nur für zwei Dinge benutzt: (i) um Euros im Heimaturlaub abheben zu können und (ii) um meine fünfjährige Auslandskrankenversicherung bei der HanseMerkur zu bezahlen.
Die Bank dachte sich wahrscheinlich: weg damit, das lohnt nicht.
Basiskonto
Kurz nach der Schließung des DKB-Kontos war ich zufällig in Deutschland zu Besuch.
Innerlich hatte ich mit dem Thema bereits abgeschlossen: Ihr könnt mich mal, und tschüss.
Dann hatte ich vom Basiskonto gehört und dachte mir: Ich versuchs einfach mal, um zu sehen, was passiert.
Ich hatte den Antrag bei der Deutschen Bank und bei noch einer anderen Bank gestellt: beide haben es abgelehnt.
Es gibt YouTube-Videos, die erklären, dass man das Basiskonto einklagen kann.
Ob das geht, kann ich nicht sagen.
Ich habe wie gesagt mit dem Thema abgeschlossen und verwende meine Energie für andere Dinge.
Wofür überhaupt noch ein deutsches Bankkonto?
Für ein paar Dinge ist es doch praktisch, ein deutsches Konto zu haben:
- Versicherungen, die Du noch in Deutschland abgeschlossen hast
- laufende Zahlungsverpflichtungen
- dem Neffen etwas zum Geburtstag überweisen
- internationale Überweisungen sind noch immer teuer — ein deutsches Konto macht es einfacher
Und für den Notfall ist es beruhigend, Konten auf verschiedenen Kontinenten und in verschiedenen Währungen zu haben.
Fazit
Solange Du noch in Deutschland gemeldet bist, ist es deutlich einfacher, weitere Konten zu eröffnen. Wenn Du ohnehin mehrere Konten haben möchtest, würde ich diese Möglichkeit vor der Auswanderung nutzen. Nach der Auswanderung wird es schwierig.
Du solltest Dir des Problems der spontanen Kontoschließung bewusst sein und einen Plan B haben.
Baue Dir gezielt Kreditwürdigkeit in Panama auf. Du fängst von Null an.
Unabhängig von Deutschland solltest Du Dir der Problematik mit Konten bewusst sein. Auch in Panama gibt es Kontenschließungen. Schaue, dass Du immer einen Plan B hast.
Dokumentiere alles sauber. Steuererklärung, Nachweise, nachvollziehbare Kontobewegungen. Es hat mir in diesem Fall nichts genützt — aber in anderen Situationen tut es das.
Am ersten Tag hatte ich Wut im Bauch. Man fühlt sich stigmatisiert, obwohl man alles richtig gemacht hat.
Mittlerweile sehe ich es entspannter.
Was bleibt, ist ein Gefühl von „Nachtreten“: Du kehrst Deutschland den Rücken? Nimm das!
Die Lektion ist, einen Plan B zu haben und keinen Single-Point of Failure zu haben.
Solche Hindernisse machen Dich am Ende stärker und unabhängiger.
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Ein Kommentar
Thomas
Ja, als „Deutschlandsdeutscher“ hat man im alten Heimatland so seine Erfahrungen zu machen….
Ich lebe (seit 2000 im Ausland: Brasilien, Mexiko, USA) aktuell in Mexiko, habe aber die Permanent Recidency von Panama und bin dort sehr oft. Gekuendigt wurde mir von der Raiffeisen Bank und Volksbank, weil diese die Meldungen (heute CRS/FATCA an BZSt fuer mein Konto als zu aufwendig betrachten. „Provinzbanken “ sind dafuer nicht ausgelegt.
Consor hatte gekuendigt, als ich in Brasilien arbeitete, aktuell macht Deutsche Bank etwas Schwierigkeiten. Bei einem Besuch der DB stellte ich jedoch fest, dass Ausländer ohne Deutschen Pass dieses Problem offensichtlich nicht haben ….
Gut fahre ich mit den lokalen Banken in Panama und Mexico, am Besten jedoch mit meiner US Bank (BoA), die sehr viel besser auf internationale Kundschaft ausgelegt ist.